Kirchen

Die Hooglandse Kerk in Leiden.

Kirchen der Welt - LeidenDie "Hooglandse Kerk" ist ein spätgotischer Kirchenbau der reformierten Kirche in der südholländischen Stadt Leiden. Die Stadt, gelegen am Zusammenfluss vom Alten und Neuen Rhein, erlebte dank des Wollhandels mit England und Flandern ab dem 14. Jahrhundert eine lange Blütezeit. Der Name der Kirche bedeutet frei übersetzt "Hochland Kirche", was aufgrund der flachen holländischen Topographie natürlich erläuterungsbedürftig ist. Sie steht auf einer sich leicht von der Umgebung abhebenden Anhöhe. Bereits Anfang des 14.Jahrhunderts wurde auf dieser Anhöhe, dem "Hooge Land", eine einfache hölzerne Kapelle errichtet. Diese wurde bereits 1315 durch eine robustere, aber nach wie vor einfach gehaltene Steinkirche abgelöst. Im Jahr 1336 wurde sie zur Stiftskirche "St. Pacras" erhoben. Der Grundstein für die heutige Kirche wurde dann im Jahr 1371 gelegt. Man begann mit der Errichtung des Kirchenchors, dessen endgültige Fertigstellung 1391 erfolgte. Bedingt durch den Umstand, dass mittelalterliche Kirchenbauten nahezu immer durch Spenden finanziert wurden und diese natürlich nicht zu jeder Zeit und zuverlässig zur Verfügung standen, mussten die Arbeiten in den nächsten Jahrzehnten immer wieder unterbrochen werden. So wurde der Chorumbau erst 1425 eingeweiht und das Südquerhaus 1436. Den langsamen Baufortschritten folgend fanden in den Jahren 1381 und 1436 die Weihungen statt. In dieser Zeit entstanden auch um das Gebäude herum weitere Bauten, so ein Beginenhof und ein Gästehaus. 1470 entliess Papst Paul II. das Kapitel von St Pancras aus der Gerichtsbarkeit des Erzbistums Utrecht und stellte es damit unter direkte päpstliche Autorität, denn es gab zu dieser Zeit Pläne, Leiden zum Bischofssitz zu erheben. Da der Hooglandse Kerk damit die Rolle als Domkapitel zugefallen wäre, wurden Pläne zum weiteren Ausbau der Kirche angestoßen.

Hooglandse Kerk in LeidenDen Höhepunkt der Diskussionen zur Errichtung eines Bistums Leiden brachte das Jahr 1525. Es gab ernsthafte Überlegungen, St. Pancras zur Kathedrale auszubauen. Doch inzwischen hatte die Reformation eingesetzt, das katholische Mittelalter fand eine Ende und man entschied sich zum weiteren Ausbau der Kirche St. Bavo in Haarlem und gegen Leiden. Dies lag letzten Endes nicht nur am Vormarsch der Calvinisten in Holland, sondern auch an einem spürbaren Rückgang der Bedeutung Leidens als Handelsplatz. Dann, im August 1566, folgte die gewaltsame Zerstörung durch calvinistische Bilderstürmer. Trotz der mutigen Bemühungen des Bürgermeisters, den Mob an der Tür zu stoppen, wurden die Inneneinrichtung, Kunstwerke und Archive fast völlig zerstört. Im Jahr 1572 wurde die Hooglandse Kerk offiziell ein protestantisches Gotteshaus. Während des achtzigjährigen Krieges belagerten 1574 die Spanier die Stadt und die Kirche wurde in dieser Zeit als Getreidespeicher verwendet. Im 17. Jahrhundert erlebte Holland sein "Goldenes Zeitalter" und auch die Hooglandse Kerk eine weitere Blüte. Als letzte größere Baumaßnahme wurde 1665 das Westportal erweitert. Danach aber folgte eine Zeit des Verfalls. Bis zum Jahr 1840 - also fast 200 Jahre lang - wurden keine nennenswerten baulichen Maßnahmen mehr durchgeführt. Und das obwohl die Kirche durch eine Explosion während der napoleonischen Kriege 1804 stark zerstört wurde.


Übrigens

HongkewErst im Jahre 1840 entschied sich die Stadt Leiden für eine Restaurierung, die in verschiedenen Baumaßnahmen dann zwischen 1840 und 1903 durchgeführt wurde. Hierbei wurden nun nicht nur die verfallenen oder zerstörten Gebäudeteile wieder hergestellt, sondern auch die in den vergangenen Jahrhunderten verworfenen Bauabschnitte wurden teilweise errichtet, zum Beispiel erhielt die Kirche nun steinerne Gewölbe. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zwischen 1952 und 1972 weitere Restaurierungsarbeiten notwendig. Dank dieser Maßnahmen ist die Hooglandse Kerk heute eine der besterhaltenen spätgotischen Kirchen in Holland. Neben ihrer Bedeutung als touristische Sehenswürdigkeit wird sie noch heute als reformierte Kirche und für weitere Gemeindezwecke genutzt.