Kirchen

Kirchen als sakrales Bauwerk des Christentums.

Kirchen der Welt - Lier, BelgienDie Sankt-Gummarus-Kirche trägt den Namen des Stadtpatrons des im belgischen Brabant gelegenen Lier.
Dieser wurde im Jahre 717 als Sohn des Lehnsherren von Emblem nahe Lier geboren. Er kam als Bediensteter an den Hof Pippins des Jüngeren (714-768), welcher ihn mit Gwenmaria, einer Dame höheren Geschlechts, verkuppelte. Die Ehe der beiden war geprägt von ihrer Boshaftigkeit, die sich vor allem gegen die eigenen Untergebenen richtete. Gummarus versuchte vergeblich, sie zu einem besonneneren und gütigeren Verhalten zu bekehren, doch musste nach Jahren der wiederholten Zerreißproben einsehen, dass sich ihr Charakter nicht verändern wollte. Einige Jahre vor seinem Tod trennte er sich von seiner Frau und gründete als Eremit und Missionar bei Nivendonck zusammen mit dem Missionar Rumbold ein Kloster. Es heißt, dass er um das Jahr 760 damit auch Lier gründete, wo heute rund 34.000 Menschen leben. Er gilt als der Schutzpatron der Kinderlosen, Geschiedenen, Höflinge, Kuhhirten, Holzfäller, Handschuhmacher, derer, die in schwierigen Ehen leben, sowie derer, die unter Hernie (Bruch) leiden.
Die Kirche Sankt Gummarus entstand hauptsächlich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. Im Jahre 1378 wurde unter der Leitung des Baumeisters Hendrik Mijs aus Mechelen der älteste Teil der Kirche auf dem ehemaligen Grund einer romanischen Pfarrkirche errichtet. Als Vorbild gilt die Kirche Sankt Rumbold in Mechelen, von der insbesondere Elemente des Chors und des Schiffs übernommen wurden. Auch gehören mehrere Mitglieder der berühmten Brabantischen Architektenfamilien Keldermans sowie de Waghemakere zu den Erbauern der Kirche. Somit ist die Bauart des Gotteshauses typisch für die Brabanter Gotik. Dennoch ist der Stil nicht einheitlich: da die einst gotische Turmspitze zwei Mal, jeweils zu Anfang des 17. und 18. Jahrhunderts, Bränden zum Opfer fiel, wurde sie durch einen achteckigen Rokokoturm ersetzt, welcher aufgrund seines Aussehens den Beinamen „Peperbus“ (Pfefferstreuer) trägt. Weitere Abweichungen vom einstigen Stil, auch in das Barock, sind der langen Bauzeit, die sich bis circa 1540 hinzog, geschuldet.

Kirchen der WeltDie Kapellen sind strahlenförmig um das Schiff angeordnet, welches von überaus prachtvoll geschmückten Säulen gestützt wird. Der berühmte Lettner (meist eine steinere oder hölzerne Säulenwand mit der ursprünglichen Funktion, den Kirchenraum der Geistlichen von dem der Laien zu trennen) entstand zwischen 1536 und 1539. Er besteht aus Sandstein, ist reich verziert und stellt die sechzehn Stationen des Kreuzweges dar.
Die ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammenden „königlichen“ Kirchenfenster zeigen u. a. die Paare der Habsburgisch-Burgundischen Dynastie Kaiser Maximilian von Österreich und Marie von Burgund sowie Philipp den Schönen und Johanna von Kastilien.
Im Chor verbirgt sich eine weitere Attraktion: hier kann man ein Triptychon von Rubens bewundern.
Der eigentliche Kirchenschatz neben den Reliquien Sankt Gummarus besteht aus religiösen Gegenständen aus der Zeit zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert.
Insgesamt ist die Kirche heute 75 Meter (Turm einschließlich Kreuz) bzw. knapp 25 Meter (Mittel- und Querschiff sowie Chor) hoch, im Querschiff 46 Meter breit und auf einer Grundfläche von circa 2.700 Quadratmetern gebaut.

Übrigens

HongkewIm Jahre 1496 wurde Philipp der Schöne, Herzog von Burgund, mit der 16-jährigen Johanna von Kastilien vermählt, wodurch er acht Jahre später zum ersten habsburgischen König Spaniens wurde.
Zu Ehren des Namensgebers Sankt Gummarus findet jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem 10. Oktober eine Prozession statt, da sein Gedenktag auf den 11. Oktober fällt. Dabei wird der 800kg schwere Heiligenschrein mit den Reliquien des Stadtpatrons von sechzehn Bürgern aus Lier mitgeführt.